Schließen

Trinkwasserhygiene – Wasserqualität in Gebäuden

Worauf Sie bei der Trinkwasserhygiene achten müssen

Trinkwasser ist Wasser für den täglichen Bedarf. Es ist das wichtigste Lebensmittel und kann nicht ersetzt werden. Als Trinkwasser ist jedes Wasser definiert, das zum Trinken, zum Kochen, zur Zubereitung von Speisen und Getränken oder für andere häusliche Zwecke bestimmt ist. Wir verlassen uns dabei darauf, dass das Wasser aus dem Hahn sauber ist und die Gesundheit nicht gefährdet. Nachfolgend geben wir Ihnen Hinweise darüber, was die Wasserqualität beeinflusst, warum eine Trinkwasseranalyse wichtig ist und wie Sie einer Verkeimung vorbeugen können.


Was kann die Wasserqualität beeinträchtigen?

Ursächlich sind oft Umnutzungen von Gebäuden und dadurch entstehende tote Leitungen, Stagnationen durch Überdimensionierungen des Leitungssystems, Erweiterungen des Leitungssystems und dadurch veränderte Strömungsverhältnisse, Missachtung der hygienischen Vorschriften bei der Lagerung, Montage und Inbetriebnahme der Trinkwasserinstallation oder aber auch ein fehlender hydraulischer Abgleich. Insbesondere für Krankheitserreger sind auch wachstumsbegünstigende Temperaturverhältnisse in Trinkwasseranlagen häufig verantwortlich. Zusammengefasst bedeutet dies, dass hygienische Probleme meist dann auftreten, wenn die allgemein geltenden Regeln der Technik bei Planung, Bau und Betrieb nicht eingehalten werden.

Folgende Beeinträchtigungen der Trinkwasserqualität können unterschieden werden:

  • Mikrobiologische Qualitätsbeeinträchtigungen

    Trinkwasser ist nicht steril und enthält auch bei Erfüllung aller gesetzlicher Anforderungen Mikroorganismen. Diese lassen sich je nach hygienischer Relevanz in 4 Gruppen einteilen:

    • Gruppe 1: Natürliche Flora ohne hygienische Relevanz, Bestandteile von jedem Trinkwasser.
    • Gruppe 2: Anstieg der koloniebildenden Einheiten (KBE), Auftreten von Einzellern (z.B. Amöben), Beginn einer hygienischen Relevanz.
    • Gruppe 3: Stark erhöhte KBE, Veränderung des Trinkwassers durch Geruch, Geschmack und Aussehen. Hohe hygienische Relevanz.
    • Gruppe 4: Auftreten von Krankheitserregern wie z.B. Pseudomonas aeruginosa und Legionellen. Hohe hygienische Relevanz.
  • Chemische Qualitätsbeeinträchtigungen

    Chemische Qualitätsbeeinträchtigungen in der Hausinstallation können entstehen, wenn chemische Substanzen in erhöhten Konzentrationen auftreten. Dazu beitragen können Materialien, die in einer Installation direkt mit Wasser in Kontakt stehen. Aus diesen Materialien (z.B. Bleirohren) können sich, insbesondere bei fehlendem Wasseraustausch, Partikel lösen und ins Trinkwasser übergehen (Migration).

  • Physikalische Qualitätsbeeinträchtigungen

    Unter physikalischer Beeinträchtigung versteht man Verfärbungen des Trinkwassers (z.B. durch Rostablagerungen), einen erhöhten Kalkgehalt sowie eine Geruchsbildung. Dabei stellt Kalk die häufigste wahrgenommene Qualitätsbeeinträchtigung dar, z.B. durch verkalkte Kaffeemaschinen und Kalkablagerungen auf oder in sanitären Anlagen.

  • Biofilme

    Untersuchungen haben gezeigt, dass sich in allen Installationen für Trinkwasser ein Biofilm bildet. Die Bildung eines Biofilmes in einer Trinkwasserinstallation ist ein sehr komplexer Prozess, der von den unterschiedlichsten Faktoren beeinflusst wird (u.a. chemische Zusammensetzung und Nährstoffgehalt des Trinkwassers, Fließgeschwindigkeit, Wassertemperatur und Oberflächenbeschaffenheit). Ein Biofilm ist nicht grundsätzlich etwas Schlechtes oder Schädliches, kann aber bei ungenügenden Strömungsverhältnissen zu hygienischen Problemen (z.B. schlechter Geruch oder Geschmack) führen und auch als Lebensraum für Mikroorganismen (auch pathogene) dienen.


Gebäudebesitzer: Pflicht zur Wasserprobe

Legionellen sind Bakterien, die sich im warmen Wasser vermehren. Hauptinfektionsweg ist das Einatmen erregerhaltiger, lungengängiger Aerosole aus dem Warmwasserbereich. Die Infektion kann beim Duschen über den Wassernebel oder in Whirlpools, Schwimmbecken Bereichen und anderen mit Wasserversprühungen oder -vernebelung versehenen Anlagen erfolgen. Künstliche Wasserfälle, Fontänen und Rutschen können ebenfalls Herde für die tödlichen Keime darstellen. Die Bakterien lösen erkältungsähnliche Atemwegsbeschwerden und in schweren Fällen Lungenentzündungen aus. Ältere Menschen, Raucher, Leistungssportler und Personen mit geschwächtem Immunsystem können sogar an der berüchtigten Legionärskrankheit sterben. Ca. 3000 Menschen fallen ihr jährlich zum Opfer. Daher schreibt die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) Betreibern von öffentlichen oder gewerblichen Großanlagen zu Trinkwassererwärmung (darunter auch Vermietern) eine regelmäßige Legionellenprüfung vor, sofern es in dem betroffenen Gebäude zu einer Vernebelung des Trinkwassers kommen kann. Wird bei der Legionellenprüfung der Wert von 100 Legionellen pro 100 Milliliter überschritten, müssen unverzüglich Gesundheitsamt und Verbraucher informiert und eine sogenannte Gefährdungsanalyse eingeleitet werden.

Trinkwasseranlagen müssen stets regelmäßig geprüft und gewartet werden, nach den anerkannten Regeln der Technik. Es dürfen keine Stagnations- und Totleitungen vorhanden sein. Nach dem Motto: Wasser muss immer fließen. Rohrsanierungen von Trinkwasserleitungen mittels Epoxidharzbeschichtung werden dabei inzwischen als unzulässig angesehen. Das 2007 zugelassene Dichtungsmittel wird bereits 2010 vom Umweltbundesamt als nicht mehr unbedenklich eingestuft. Erfahrungen zeigen, dass es bei Rohrinnenbeschichtungen mit Epoxidharzen zur Freisetzung von Epichlorhydrin und Bisphenol A in das Trinkwasser und damit zum Verbraucher kommen kann. Eine Überschreitung des Grenzwerts für Epichlorhydrin kann nicht ausgeschlossen werden. Der zuständige Branchenverband DVGW distanzierte sich daher von diesem Verfahren der Rohrsanierung.

Gewerbliche und private Eigentümer von Anlagen, die Trinkwasser für die Öffentlichkeit bereitstellen, wie z.B. Krankenhäuser, Altenheime, Kindergärten und Hotels, stehen grundsätzlich in einer besonderen Pflicht, regelmäßig Nachweise zur Einhaltung der Trinkwasserqualität zu erbringen.


Maßnahmen zur Hygiene in Trinkwasserinstallationen

  • Die Wassertemperatur in Leitungssystemen sollte immer mindestens 55°C betragen, um Legionellenwachstum zu verhindern. Die Temperatur kann am Wasserverteiler kontrolliert werden. Ab 60°C sterben die Legionellen ab.
  • Stagnationswasser vermeiden: Steht Wasser länger als 4 Stunden in den Leitungen, spricht man von Stagnationswasser. Je nach Zustand der Leitungen können sich gesundheitsgefährdende Stoffe im Stagnationswasser bilden. Man sollte das Wasser daher immer einige Zeit abfließen lassen, in der Regel reichen ca. 20 Sekunden.
  • Um einer Verkeimung der Installation vorzubeugen, sollte diese nach dem derzeitigen Stand der allgemein anerkannten Regeln der Technik betrieben werden. Auf die notwendige Inspektion und Wartung der Trinkwasseranlage muss geachtet werden. Es sollten ausschließlich geprüfte und für die Trinkwasserinstallation geeignete Produkte verwendet werden (z.B. Armaturen, Rohre, Verbinder, Dichtmittel, Warmwasserbereiter, etc.).

Weitere Tipps zu Vorbeugung von Keimen, bakteriellen und chemischen Belastungen:

  • Warmwassertemperatur im System konstant hochhalten (55-60°C)
  • Kaltwassertemperaturen dauerhaft kühl halten (unter 20°C)
  • Für genügend Durchfluss in den Leitungen sorgen
  • Stagnation des Wassers vermeiden
  • Totstränge sowie unbenutzte Verbrauchsstellen beseitigen
  • Einbau eines Systemtrenners zwischen Heizkreislauf und Trinkwasserleitung

Trinkwasseranalyse

Fordern Sie in nur wenigen Schritten ein Angebot zur Trinkwasser Hygieneprüfung an.

 

Zum Angebot Trinkwasser

Lesen Sie außerdem unseren interessanten Artikel zu Trinkwasserverordnung – Pflichten für Immobilienbesitzer.

Zum Artikel